Die größten Boygroups der 90er und 2000er
Backstreet Boys, *NSYNC, Take That: Die größten Boygroups der 90er und 2000er im Überblick. Welche Gruppe dominierte die Charts – und wo sind sie heute?
Es war Massenhysterie in Reinform. Kreischende Fans, ausverkaufte Stadien, Poster an jeder Zimmerwand – die Boygroups der 90er und frühen 2000er lösten einen kulturellen Ausnahmezustand aus, den es so weder zuvor noch danach je wieder geben sollte. Wer damals Teenager war, erinnert sich genau: Man gehörte entweder zum Backstreet-Boys-Lager oder zum *NSYNC-Lager. Neutralität war keine Option.
Aber die Boygroup-Ära war weit mehr als nur Schwarmerei. Sie produzierte einen Soundtrack, der ganze Generationen geprägt hat – Songs, die bis heute auf 90er-Partys gespielt werden und sofort Bilder aus einer unbeschwerten Zeit heraufbeschwören. Bei NEUNZIG NULL NULL, deinem Webradio für die beste Musik der 90er und 2000er, sind diese Hymnen fester Bestandteil des Programms.
Was macht eine Boygroup aus?
Eine Boygroup ist mehr als nur eine Band mit mehreren Sängern. Es ist ein sorgfältig zusammengestelltes Ensemble aus jungen Männern, das auf maximale Anziehungskraft optimiert ist: der Wilde, der Süße, der Ernste, der Lustige, der Sensible. Jede Fanin findet ihren Typ – und genau das machte das Konzept so unwiderstehlich erfolgreich.
Die Grundlage für die Boygroup-Euphorie der 90er legten schon die New Kids on the Block in den späten 80er Jahren. Aber erst in den 90ern explodierte das Phänomen wirklich. Schnellere internationale Vertriebswege, Musiksender wie VIVA und MTV sowie eine Jugendkultur im Aufbruch schufen den perfekten Nährboden. Und dann kamen sie – alle auf einmal.
Die größten Boygroups der 90er
Backstreet Boys: Fünf, die die Welt übernahmen
Gegründet 1993 in Orlando, Florida, wurden die Backstreet Boys zur meistverkauften Boygroup aller Zeiten. Ihre Mischung aus mehrstimmigem Harmoniegesang, gefühlvollen Balladen und treibenden Pop-Hooks war so präzise auf Massenappeal getrimmt, dass es fast unfair wirkte.
Mit „I Want It That Way” (1999) lieferten sie eine der bekanntesten Eröffnungszeilen der Popgeschichte. „Everybody (Backstreet’s Back)”, „Quit Playing Games (With My Heart)” und „As Long as You Love Me” vervollständigten eine Hitdichte, die für eine ganze Karriere gereicht hätte – geschweige denn für nur wenige Jahre. Das Album Millennium verkaufte sich über 40 Millionen Mal. Vierzig Millionen.
*NSYNC: Die Konkurrenz aus der eigenen Stadt
Die Backstreet Boys hätten den Thron gerne für sich behalten. Doch 1995 tauchte eine neue Gruppe aus Orlando auf: *NSYNC. Mit Justin Timberlake, JC Chasez, Chris Kirkpatrick, Joey Fatone und Lance Bass stellten sie eine Herausforderung dar, die schwer wegzudiskutieren war. „Bye Bye Bye”, „It’s Gonna Be Me” und „Tearin’ Up My Heart” waren mindestens genauso eingängig – und die Choreografien mindestens genauso elektrisierend.
Das Album No Strings Attached (2000) brach den Rekord für den schnellsten Ersttagsverkauf in der Musikgeschichte. Dass *NSYNC sich 2002 auflösten und Timberlake eine Solokarriere startete, die ihresgleichen sucht, macht die kurze Ära der Gruppe nur noch wertvoller.
Take That: Fünf Briten, ein Jahrzehnt
Auf der anderen Seite des Atlantiks hatte Take That das Terrain seit 1990 bereits vermessen. Die fünf Briten um Gary Barlow und den jungen Robbie Williams lieferten einen weicheren, melodischeren Pop als ihre amerikanischen Gegenspieler – aber nicht weniger wirksam.
„Back for Good” (1995) ist bis heute einer der schönsten Breakup-Songs der Popgeschichte. „Relight My Fire”, „Never Forget” und „How Deep Is Your Love” zeigten die Bandbreite. Die Trennung 1996 – ausgelöst nicht zuletzt durch den Abgang des umtriebigen Robbie Williams – ließ eine ganze Generation in kollektiver Trauer zurück. Das Comeback 2006 wurde zu einer der emotionalsten Rückkehrgeschichten der Popkultur.
Boyzone und Westlife: Irland übernimmt das Mikrofon
Irland lieferte gleich zwei der erfolgreichsten Boygroups überhaupt. Boyzone um Keith Duffy und Ronan Keating startete 1993 und stapelte sanfte Pop-Balladen mit bewundernswerter Präzision. „Words”, „A Different Beat” und „No Matter What” wurden Millionenseller – und Ronan Keatings Solokarriere zeigte, was für ein Ausnahmetalent in der Gruppe steckte.
Westlife, 1998 quasi als spirituelle Nachfolge gegründet, setzten die irische Tradition nahtlos fort. „Flying Without Wings”, „Swear It Again” und „You Raise Me Up” standen für eine Boygroup, die auf sentimentale Kraft setzte statt auf aufwändige Tanzchoreografien. Und es funktionierte.
Deutsche und europäische Boygroups: Der heimische Beitrag
Die internationale Boygroup-Welle schwappte natürlich auch nach Deutschland – und mit ihr kamen eigene Versuche, das Konzept für den deutschsprachigen Markt zu adaptieren.
Caught in the Act, 1992 in den Niederlanden gegründet und in Deutschland enorm populär, lieferten mit „Say It Isn’t So” und „Cause I Can’t Stop Lovin’ You” eingängige Euro-Pop-Hymnen, die in keiner 90er-Playlist fehlten. Ihr Sound war treibender als der der großen US-Acts – näher am Eurodance-Spektrum und damit perfekt für die deutschen Tanzflächen der Zeit.
Aus Schweden kamen die Hep Stars-Nachfolger und später die A*Teens, die für eine neue Generation die ABBA-Klassiker neu interpretierten. Der britische Markt brachte mit East 17 eine härtere, urbanere Alternative zu Take That – ihr Hit „Stay Another Day” (1994) ist eine der unwahrscheinlichsten Weihnachts-Hymnen überhaupt.
Boygroups der 2000er: Eine neue Generation
Als die erste Welle der 90er Boygroups langsam abebbte, entstand eine zweite. Blue aus England – Duncan James, Lee Ryan, Simon Webbe und Antony Costa – brachten von 2001 an R&B-Einflüsse in die Boygroup-Formel. „All Rise”, „One Love” und das Duett mit Elton John „Sorry Seems to Be the Hardest Word” schrieben eine eigene Erfolgsgeschichte.
Busted und McFly führten Rock-Elemente ein, JLS (Jahressieger bei X-Factor 2008) standen für R&B-Harmonien in Reinkultur. Die Boygroup-Formel war flexibel genug, um jede Dekade zu überstehen.
Und dann gab es da noch One Direction – aber die gehören bereits einer anderen Ära an. Als Niall, Harry, Liam, Louis und Zayn 2010 bei X-Factor antraten, waren die goldenen 90er Boygroups schon Geschichte. Eine Geschichte allerdings, an die das Quintett aus Großbritannien geschickt anknüpfte.
Backstreet Boys vs. *NSYNC: Wer hat gewonnen?
Die Frage aller Fragen – und sie lässt sich nicht abschließend beantworten. Die Backstreet Boys verkauften insgesamt mehr Alben (über 130 Millionen weltweit), blieben als Gruppe zusammen und touren bis heute. *NSYNC hatten die vielleicht besseren Choreografien und mit Timberlake einen Mitglied, das zur Solokarriere eine eigene Musikgeschichte schrieb.
Im kollektiven deutschen Gedächtnis stehen sie gleichberechtigt: als die zwei Seiten einer Münze, die die Pop-Ära der späten 90er definiert hat wie kaum etwas sonst. Jede Generation hat ihre eigene Antwort – und jede Antwort ist richtig.
Warum Boygroup-Hymnen nie aus der Mode kommen
Boygroup-Songs sind emotionale Zeitstempel. Wer „I Want It That Way” hört, ist sofort wieder sechzehn. Wer „Back for Good” hört, fühlt das Kribbeln des ersten Schulsommers wieder. Diese Musik ist untrennbar mit den schönsten und intensivsten Momenten der Adoleszenz verknüpft – und deshalb funktioniert sie auf jeder 90er-Party und in jeder Nostalgie-Playlist.
Dazu kommt die musikalische Qualität, die sich erst retrospektiv richtig erschließt. Hinter den Backstreet-Boys-Harmonien steckten außergewöhnliche Stimmen. Hinter den Take-That-Balladen steckte Gary Barlows Songwriting-Talent. Was damals als leichte Unterhaltung abgetan wurde, zeigt sich heute als handwerklich perfekte Popmusik.
Auch bei den größten One-Hit-Wondern der 90er oder den besten Sommerhits der Dekade traten Boygroups immer wieder in Erscheinung – als Teil eines Sounds, der das gesamte Jahrzehnt geprägt hat.
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Bildnachweis: Foto von Joella Marano via Flickr, lizenziert unter CC BY-SA 2.0.
Zuletzt aktualisiert: 9. Juni 2026